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Challenge 52 Worte 52 Geschichten #Nacht

Um Mitternacht hatte es angefangen zu schneien. Der Schnee fiel schon bald so dicht, das er die ganze Landschaft bedeckte. Vor dem Haus in weiter Ferne, zwei Fenster warfen einen geheimnisvollen Schein, aber aus dem Kamin stieg kein Rauch in den Himmel auf. Wolkenverhangen bahnte sich der Vollmond einen Weg und beleuchtete die geheimnisvolle Landschaft. Und nebelverhangen tauchten Gestalten wie aus längst vergangenen Zeiten auf. Handelte es sich um einsame Wanderer, deren Seelen keine Ruhe fanden?

Eine mysteriöse Figur, einer Vogelscheuche mit Schlapphut nicht unähnlich, kämpfte vergeblich gegen den stetig fallenden Schnee an. Nun schneite es heftiger als zuvor, ein regelrechter Schneesturm. Auch der Schwarm der Krähen hatte seinen Kampf aufgegeben und alles war nicht zu unterscheiden vom Weiss des fallenden Schnees. Vergeblich stemmten sie sich gegen den orkanartigen Wind.

Der Schnee fiel weiterhin unaufhörlich. Sein warmer Mantel war schon bald schneebedeckt und die Nässe drang durch seine gefütterten Lederstiefel. Es war leichter vorwärts zu kommen, als er geglaubt hatte. Der Schnee lag zwar sehr hoch, aber der Weg führte ihn immer weiter.

Bis zu dem Punkt, an dem er einen vergeblichen Kampf gegen den stetig fallenden Schnee fĂĽhrte. „Ich liebe Schnee“, sagte er zu sich selbst. Der Schnee schwebte nun nur noch in kleinen Flocken vom Himmel.

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Challenge 52 Worte 52 Geschichten #Vergangenheit

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Die Schönheit der Kaiserin Elisabeth

Hat Elisabeth noch ein Lächeln auf ihren Lippen oder gehört ihr Blick den Zeugen der Zukunftsseelen? Ihre Schönheit erklärt sich aber nicht von alleine. Elisabeths Schönheit ist jenseits ihrer Zeit und geheimnisvoll.

Elisabeth lächelt eigentlich nicht. Ihre Lippen sind zwar modelliert, aber in ihrem Gesicht zeigen sich sogar kleine Sorgenfalten in der Haut unter ihren Augen. Das Rätsel ihrer Schönheit teilt sie nur mit der Nofretete in Berlin oder der Mona Lisa in Paris.

Elisabeths Lächeln ist das Lächeln der wahren Schönheit einer  Kaiserin. Ihr Lächeln zieht an, fordert aber auch Distanz. In ihrer Distanz zeigt sich ihre Macht. Für ihr Aussehen wandte Elisabeth viel Zeit auf. Ihre Schönheit war ihr sehr wichtig. Bäder, Salben und tägliches Frisieren gehörten zu ihrem Tagesablauf. Kaiser Franz Joseph verehrte sie als seine ausserordentlich schöne Frau.

Elisabeth nahm eine auffallend hohe Position in der gesellschaftlichen Hierarchie ein, soviel Macht hat es kaum für die Gemahlin eines Kaisers von Österreich gegeben. Wer von ihnen beiden mehr Macht hatte, hätte Elisabeth vielleicht mit einem geheimnisvollen Lächeln beantwortet.

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Challenge 52 Worte, 52 Geschichten #Buch

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Der alte Mann

Ein hochbetagter alter Mann sitzt jeden Tag in seinem Schaukelstuhl und schaut durch das Wohnzimmerfenster hinaus in seinen kleinen Garten. Die meiste Zeit des Tages liest er ein gutes Buch oder löst das Rätsel aus der Tageszeitung. Auch freut er sich jeden Morgen auf die Fortsetzungsgeschichte in der Tageszeitung.

Dennoch seines Alters bietet ihm seine tägliche Lektüre Aufschwung in seinem Leben. Oft geht er auch in seinen Garten und nimmt den herrlichen Duft der Frühlingsblumen wahr. Dabei genießt er oft die warme Frühlingssonne auf seiner Gartenbank. Von überall her kommt Vogelgezwitscher. Dabei verspürt der alte Mann stets innere Ruhe, Wärme und Zufriedenheit.

Seine Lebenseinstellung ist, das Leben kann doch so schön sein. Es ist wichtig, sich für die kleinen Dinge des Lebens zu öffnen und nicht auf die Großen zu warten.

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Challenge 52 Worte 52 Geschichten #Phoenix

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Das Spiegelbild

Am Weiher ist der Vollmond zu sehen. Ein schwarzer Schwan zog seine Runden über den Weiher. Im Wasser sah er sein Spiegelbild, doch für einen Sinn in seinem Leben hatte er keinen Blick. Müde geworden, war der Abstand zu seinem inneren Frieden immer größer geworden.

Die Flusssteine sind aus Lehm gebaut und sind Tausende von Jahren alt. Im Traum schwebt der schwarze Schwan getragen von einer Melodie und hört die Botschaft des Windes.

Die Markierung seines Abschiedes ist nur ein Ende an seinem Weg. Doch die Frühlingsboten wecken  durch samtene Blüten neue Hoffnung in dem schwarzen Schwan. Die Krokusse und Schneeglöckchen, zart und rein, können schon den Hoffnungsstreifen am Himmel sehen. Die nun spiegelglatte Oberfläche des Weihers ist majestätisch weit entfernt und alle Sorgen des schwarzen Schwans sind sanft umschlossen von der Kraft seines neu erweckten Friedens.

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Challenge 52 Worte 52 Geschichten #Liebe

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Andreas, ein reicher Industriellensohn, reist nach Berlin, um die Trauer über seine große Liebe vergessen zu können. Seine langjährige Verlobte verschwand vor einem Jahr bei einem gemeinsamen Besuch des Weihnachtsmarktes vor dem Schloss Charlottenburg. In den Bereichen des Ehrenhofes suchte er vergeblich nach seiner Verlobten.

Trotz intensiver Nachforschungen seinerseits und Einschaltung eines Privatdetektivs gibt es keinen Anhalt für ein Lebenszeichen seiner Verlobten. Im Adlon Kempinski trifft er auf die junge Carina, die ihre Mutter zu einem Weihnachtsbesuch bei Verwandten begleitet. Als Andreas Carinas Mutter kennenlernt, fällt er aus allen Wolken. Können die Beiden ihm helfen, das Rätsel um seine Verlobte zu lösen?

Ein paar Tage später am Silvestermorgen. Es klopft an Andreas Tür seiner Suite im Hotel Adlon. Ein Page überreicht ihm ein Schreiben von Carina. Sie bittet ihn, sich mit ihm in Wintergarten zum Tee zu treffen. Sie hätte ihm ein Familiengeheimnis anzuvertrauen, welches sie ihm nur in einem persönlichen Gespräch anvertrauen möchte. Als Carina im Wintergarten eintraf, freute sie sich ungeachtet ihrer Nervosität darauf, Andreas wiederzusehen.

Dort angekommen bewunderte sie zunächst die geschmackvolle Einrichtung des Wintergartens mit dem glänzenden Boden im Schachbrettmuster und der Aussicht durch die atemberaubende Glaskuppel. Dann entdeckte sie Andreas an einem mit einer edlen Tischdecke gedeckten Tisch. Andreas stand unverzüglich auf und begrüßte sie mit einem formvollendeten Handkuss. Nachdem sie ihren Afternoon Tee bestellt haben, zieht sich der Ober diskret zurück.

Zögernd und mit gedämpfter Stimme fängt Carina an, Andreas in das Familiengeheimnis einzuweihen. Ihre Mutter hat ihr Einverständnis gegeben, Andreas die ganze Wahrheit über seine Verlobte nicht länger vorzuenthalten. Seine Verlobte Elisabeth ist die uneheliche Tochter ihrer Mutter und wurde zu Pflegeeltern gegeben.

Andreas erwiderte, ich bin dir sogar dankbar, die Wahrheit ĂĽber meine verschwundene Verlobte zu erfahren. Wir sollten aber die Vergangenheit ruhen lassen und nicht weiter nach Elisabeth suchen. Andreas blickte Carina tief in die Augen und gab ihr noch einmal einen formvollendeten Handkuss. Carina wurde schwindelig, aber gleichzeitig warm ums Herz.